Raum für innere Bewegung
Empowerment in Therapy (EIT) ist ein integrativer Ansatz, der körpertherapeutisches Arbeiten mit systemischem Denken verbindet. Es ist keine Methode im klassischen Sinn, sondern eine therapeutische Haltung, die Patient:innen als Expert:innen ihres eigenen Lebens anerkennt.
Körper, Psyche und System – untrennbar verbunden
Im therapeutischen Alltag zeigt sich immer deutlicher: Viele Beschwerden sind nicht ausschließlich körperlich erklärbar. Stress, Beziehungskonstellationen, Denkmuster und unausgesprochene Emotionen beeinflussen den Heilungsprozess genauso stark wie Muskeln, Faszien oder Gelenke.
EIT arbeitet genau an dieser Schnittstelle. Es verbindet zwei Perspektiven:
-
die körperorientierte Arbeit der Physio- und Osteopathie
-
die lösungs- und ressourcenorientierte Haltung des systemischen Coachings
So entsteht ein Zugang, der nicht nur Symptome behandelt, sondern den Kontext des Menschen miteinbezieht.
Die Haltung hinter EIT
Im Zentrum von EIT steht ein Perspektivenwechsel:
Therapeut:innen müssen nicht wissen, was für Patient:innen richtig ist. Sie müssen präsent sein, achtsam zuhören und jene Fragen stellen, die innere Bewegung ermöglichen.
EIT bedeutet:
-
nicht analysieren, sondern aktivieren
-
nicht nach Ursachen fragen, sondern nach Zielen
-
nicht deuten, sondern begleiten
-
nicht reparieren, sondern Selbstwirksamkeit stärken
Diese Haltung schafft Vertrauen, Klarheit und Leichtigkeit – für beide Seiten.
Wie Veränderung entsteht
Veränderung passiert, wenn Patient:innen Zugang zu ihren eigenen Ressourcen, Lösungen und inneren Bildern finden. EIT nutzt dafür drei Ebenen gleichzeitig:
I. Physische Ebene
Manuelle Techniken, Bewegung und körperorientierte Arbeit schaffen Raum, lösen Muster und machen Prozesse spürbar.
II. Mentale Ebene
Systemische Fragen öffnen neue Perspektiven, klären Ziele und machen Denk- und Handlungsspielräume erfahrbar.
III. Emotionale Ebene
Innere Bilder, Metaphern und hypnosystemische Elemente unterstützen dabei, innere Themen sichtbar und bearbeitbar zu machen.
Die Rolle der Therapeut:innen
In EIT werden Therapeut:innen zu Begleiter:innen auf Augenhöhe. Sie schaffen sichere Räume, geben Impulse, spiegeln, stellen Fragen – und lassen den Menschen selbst entdecken, was für ihn möglich wird.
Das entlastet, stärkt die therapeutische Präsenz und führt zu einer Beziehung, die von Kooperation und Klarheit geprägt ist.
EIT verbindet körpertherapeutische Arbeit mit systemischem Denken, um Menschen auf physischer, mentaler und emotionaler Ebene wirksam zu begleiten.
Wofür EIT steht
EIT ist ein Ansatz, der den Menschen in seiner Ganzheit respektiert – und Therapeut:innen ermöglicht, mit mehr Freude, Tiefe und Wirkung zu arbeiten.
- Selbstwirksamkeit statt Abhängigkeit
- Selbstständigkeit statt dauerhafter Anleitung
- Potenzialorientierung statt Problemfokus
- Klarheit statt Überforderung
- Bewegung – innen wie außen
Wissenschaftlicher Hintergrund
Aktuelle Forschung und klinische Erfahrung zeigen deutlich: Körperliche und psychische Prozesse lassen sich nicht voneinander trennen. Dennoch wird dieser Zusammenhang im therapeutischen Alltag häufig unterschätzt.
-
Rund 40 % der Patient:innen in physiotherapeutischen Praxen leiden unter unspezifischen Schmerzen, für die keine rein körperliche Ursache gefunden wird.
-
Typische Beispiele sind Rückenschmerzen ohne klinischen Befund, Beschwerden, die sich in Stressphasen verstärken, oder Symptome, die vom sozialen Umfeld beeinflusst werden.
-
Psychosomatische und stressbedingte Beschwerden nehmen seit Jahren signifikant zu.
Diese Erkenntnisse machen deutlich: Therapeutische Wirksamkeit entsteht nicht allein über den Körper – sie entsteht im Zusammenspiel mehrerer Ebenen.
Evidenz aus der Forschung
Ein eindrückliches Beispiel stammt aus der Schmerzforschung zu Thoraxschmerzen (Osteopathie-Kongress 2024, Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh):
Mehr als die Hälfte der Patient:innen mit Brustschmerzen erhalten die Diagnose „nicht-kardialer Thoraxschmerz“ (NCCP) – obwohl bei vielen eine psychische Ursache im Hintergrund steht.
-
40 % leiden unter Angststörungen
-
18,6 % unter somatoformen Störungen
Prof. Pieh fasst es prägnant zusammen:
„Vergesst die Psyche nicht – sie ist längst Teil eures Alltags.“
Vom „Fixer“ zum „Facilitator“
Eine aktuelle Publikation von Lewis, Mintken & McDevitt (2025) zeigt klar:
-
ca. 20 % der Therapieeffekte entstehen durch rein körperbezogene Maßnahmen
-
ca. 80 % werden durch Kontextfaktoren beeinflusst:
Lebensstil, Schlaf, Stress, soziale Beziehungen – und die innere Haltung des Menschen
Diese Daten verdeutlichen: Wirksamkeit entsteht, wenn Therapeut:innen nicht nur am Körper arbeiten, sondern Impulse setzen, die das ganze System in Bewegung bringen. EIT setzt genau diesen Forschungserkenntnissen an.
Manchmal beginnt Veränderung mit einer neuen Frage.
Beginne deine – mit EIT. Jetzt Fortbildungsangebot entdecken und Raum für innere Bewegung schaffen.